Über William


Wenn Du Zeit und Lust hast, dann lies Dir doch meine komplette Geschichte durch:

Ich bin William, 45 Jahre alt, und ich war obdachlos. Wie es dazu kam? Der Reihe nach:
Angefangen hatte alles mit meinem Beruf. Ich war für mehrere Jahre in militärische Auslandseinsätze eingebunden und weit von meiner Familie getrennt. Wie Du dir sicher vorstellen kannst, können solche Erfahrungen nachhaltig prägen und ich konnte meine Erlebnisse zunehmend schwerer verarbeiten. Erst waren es nur Schlafstörungen, dann kamen psychische Probleme in Form von Ängsten hinzu, und irgendwann bin ich an einen Punkt gelangt, an dem ich selbst nicht mehr wusste, wer ich eigentlich bin. Gefangen in diesem Tunnel folgte die nächste Hiobsbotschaft, und ich konnte meinen Job aufgrund körperlicher Probleme nicht mehr ausüben. Leider ist in meinem Heimatland eine soziale Absicherung nicht Standard. Als sich meine Familie  aufgrund meiner psychischen Lage auch noch von mir abwendete, hatte ich endgültig keine Heimat mehr, und war offiziell obdachlos. Wer jetzt denkt, dass man immer irgendwelche Wohnmöglichkeiten hätte, dem gebe ich grundsätzlich Recht. Wenn du allerdings so lange von deinem Zuhause entfernt warst und psychisch am Ende bist, dass sich auch der Letzte von dir abwendet, dann bleibt einfach kein Ausweg. 
Tag für Tag lebte ich deshalb an einer Seitenstraße. Hoffnung, dass ich eines Tages wieder ein Zuhause hatte? Nein, die gab es bei mir nicht. Was es gab, waren weiterhin genug Selbstzweifel, perfide Gedanken und vor allem Scham für meine Verhältnisse. Ich beobachtete fortan täglich Passanten, wie sie an mir vorbei schlenderten. Notwendiges Kleingeld, um mir wenigstens einmal am Tag ein Gebäck zu kaufen, bekam ich nur selten. Diese Situation ging über Jahre. Jeden Tag dasselbe Spiel. Ich befand mich in einer erschreckenden körperlichen Fassung, ein Gebilde aus Haut und Knochen.
Eines Tages machte ein Mann an meiner Schlafstelle Halt. Zunächst dachte ich, er würde nur zufällig stoppen. Schließlich bat er mich aber, mit ihm zu kommen. Er war Arzt, und hatte mich bereits öfter an dieser Straße gesehen. Er machte mir klar, dass ich in dieser Verfassung nur noch wenige Monate zu leben hätte, und dringend eine Veränderung bräuchte. Ich wiederum schilderte ihm im Zuge der Unterhaltung all meine traumatischen Erlebnisse der vergangenen Jahre. Diese Art der Gespräche fanden von da an wöchentlich statt. Du fragst jetzt: Zum üblichen Arzt-Preis? Unentgeltlich! Was für eine Geste von ihm! Durch seine Tat hatte ich endlich wieder das Gefühl, geschätzt zu werden und jemanden zu haben, der mir aufrichtig zuhört. 
In wenigen Monaten verbesserte sich meine psychische Lage ungemein. Ich erkannte allmählich, dass ich tatsächlich einen Neustart benötigte, um wieder der alte William zu werden, der ich vor meinem Auslandsjob war. Schließlich erzielte ich einen ersten Teilerfolg, und wurde bei einem Job angenommen, auch wenn dieser extrem schlecht bezahlt war. Darum ging es mir aber nicht. Mein Selbstbewusstsein wurde plötzlich gestärkt, und ich hatte endlich wieder das Gefühl etwas selbst erreicht zu haben.
Du fragst dich sicherlich was ich heute mache? Heute bin ich Sozialarbeiter. Nach jahrelangem Kampf auf der Straße habe ich es geschafft, der Armut zu entkommen, und helfe nun anderen sozial Schwachen beim Bewältigen ihrer Not.

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Die Hauptfigur William ist eine Kunstfigur. Die Erzählungen rund um William sind fiktional, basieren allerdings zu großen Teilen auf der Lebensgeschichte eines ehemaligen Londoner Obdachlosen.